Vietnam | Karstlandschaft von Tam Cốc
Indo-Burma
BIODIVERSITÄTSHOTSPOT
Erkunde die Artenvielfalt Südostasiens in den Landschaften der Mekong-Region.
2 REPORTAGEN
Kontinent
Asien
ÖKOSYSTEME
Tropische Regenwälder, Monsun-, Trocken-, Berg-, Sumpfwälder, Gras-, Karstlandschaften, Feuchtgebiete, Mangroven, Flüsse, Seen
IKONISCHE ARTEN
Saola, Indochinesischer Tiger, Rotschenkliger Kleideraffe, Irawadidelfin, Gelbwangengibbons, etc.
Das Naturwunder Südostasiens
Zwischen den Bergen des Himalaya und dem Delta des Mekong liegt eine Region, die zu den wichtigsten des Planeten zählt. Der Biodiversitätshotspot Indo-Burma ist das Zuhause einer einzigartigen Artenvielfalt. Von Tigern, Elefanten, Schuppentieren und Gibbons bis zu Arten, von denen wir in Deutschland noch nie gehört haben – wie das seltene Saola.
Das Herz Indo-Burmas ist die Mekong-Region: Vietnam, Thailand, Kambodscha, Laos und Myanmar. Doch auch Teile Südchinas, Ostindiens sowie kleine Gebiete Bangladeschs und Malaysias gehören zu dem Hotspot. Rund 350 Millionen Menschen leben hier, im bevölkerungsreichsten Biodiversitätshotspot dieser Erde.
Der Hotspot erstreckt sich von den Ausläufern des Himalayas im Norden, über die Chinesisch-Vietnamesischen Karstlandschaften, die zentralen Flutebenen und den Tonle-Sap-See, bis zum Mekong-Delta im Süden. Ein komplexes Netzwerk aus einigen der größten Flüsse Asiens wie dem Mekong, Irrawaddy und Roten Fluss zieht sich durch die Region und spendet ihr Leben.
Vietnam | Thung Nham | Silberklaffschnäbel
Wälder in den verschiedensten Ausprägungen bedecken diese Landschaften: tropische Regenwälder, subtropische Bergwälder, saisonale Monsun- und Trockenwälder, Sumpfwälder bis hin zu Mangroven an den Küsten. Felsformationen aus Kalkstein ragen wie Inseln aus dem Boden, und während der Monsunzeit verwandeln sich Tiefland- und Grasebenen zeitweise in Feuchtgebiete.
Die Tier- und Pflanzenwelt ist eine einzigartige Mischung aus Einflüssen des Himalaya, Indiens, Chinas und Sundalands. Und überall wo Lebensräume länger isoliert waren, konnten sich Arten entwickeln, die es nur hier zu sehen gibt.
Deshalb leben hier neben der bekannten Arten, wie Tigern und Elefanten, auch einige ungewöhnliche Bewohner – zum Beispiel das kleinste Säugetier der Welt oder riesige Süßwasserfische.
Scrolle weiter, um mehr über den Biodiversitätshotspot Indo-Burma zu erfahren.
Vietnam | Cát Tiên Nationalpark
Vietnam | Cát Tiên Nationalpark
BIODIVERSITÄT
Entdecke, was den Biodiversitätshotspot Indo-Burma so einzigartig macht.
Drei-Meter-Welse, spukende Kobras und Vampir-Kaulquappen.
Groß und klein. Bekannt und verborgen. An Land und im Wasser. Die Tier- und Pflanzenwelt Indo-Burmas ist eine der vielfältigsten Asiens. Möglich wird das durch die besonderen Bedingungen der Region: einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume, lange Zeiten der Isolation und einem weiten Netzwerk aus Flüssen und Feuchtgebieten.
Im nächsten Abschnitt schauen wir uns diese Faktoren einmal genauer an und welche spannenden Arten sie an Land und unter der Wasseroberfläche hervorgebracht haben.
FAKTEN
Über Indo-Burma
SCHON GEWUSST?
In Indo-Burma gibt es jede Menge Primaten! Rund 44 verschiedene Arten sind bisher bekannt. 20 davon gibt es nur hier zu sehen, so wie der Zwerglori, der Germain-Langur oder der Rotschenklige Kleideraffe.
Endemismus
Tier- oder Pflanzenarten, die nur hier vorkommen und nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind.
PFLANZEN
Thailändischer Palisander, Chinazypresse, Paphiopedilum canhii (Orchidee), Dipterocarpus alatus, etc.
VÖGEL
Riesenibis, Korallenschnabelkuckuck, Goldkehlpitta, Kahlgesichtbülbül, Mekongstelze, Kapuzenbaumelster, etc.
SÄUGETIERE
Saola, Indochinesischer Tiger, Fleckenroller, Rotschenkliger Kleideraffe, Riesenmuntjak, Schweinsnasenfledermaus, Zwerglori, etc.
REPTILIEN
Birma-Sternschildkröte, Siamesische Speikobra, Grüner Nackenstachler, Suzhens Krait, etc.
AMPHIBIEN
Vietnamesischer Moosfrosch, Guangxi-Warzenmolch, Ansonia siamensis, etc.
SÜSSWASSERFISCHE
Mekong-Riesenwels, Hochflossen-Haiwels, Riesenbarbe, Smaragd-Kampffisch etc.
WIRBELLOSE
Westwoods Wandelndes Blatt, Annam-Stabschrecke, Blaue Burma-Vogelspinne, etc.
VIELFALT AN Lebensräumen
Von tropischem Dschungel bis zu den Ausläufern des höchsten Gebirges des Planeten, dazwischen liegen Grasebenen, Wälder und Feuchtgebiete in verschiedenen Klimazonen. Die Landschaften Indo-Burmas sind erstaunlich abwechslungsreich. Manche dieser Lebensräume sind noch nicht einmal richtig erforscht. Neue Arten werden hier regelmäßig entdeckt.
Insgesamt erstreckt sich der Biodiversitätshotspot über rund 33 verschiedene Ökoregionen — das sind Gebiete mit ähnlichen Ökosystemen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es gerade einmal vier. Diese Vielfalt an Lebensräumen wirkt sich natürlich positiv auf die Artenvielfalt aus. Und die ist am höchsten in den Wäldern Indo-Burmas.
Weite Teile des Hotspots sind mit tropischem Regenwald bedeckt. Hier leben viele der bekannten Tierarten Südostasiens: Vom Indochinesischen Tiger — von dem nur es noch 220 Individuen gibt (Stand 2025) — über Asiatische Elefanten, Indochinesische Leoparden, Gaur, Schabrakentapire, Malaienbären bis hin zu weiteren großen Arten.
Aber auch kleinere Bewohner leben in diesen Regenwäldern wie der Fleckenroller, Malaiische und Chinesische Schuppentiere oder der Goldkehlpitta — alles Arten, die auf der Roten Liste stehen.
Zu den bedeutendsten Regenwaldgebieten gehören die Gebirge Truong Son in Vietnam und Laos, das Tenasserim-Gebirge in Myanmar, Thailand und Malaysia, das Chuor-Phnom-Krâvanh-Gebirge in Kambodscha, die Luang-Prabang-Berge in Laos und Thailand sowie die Wälder der Inseln Hainan und Andamanen.
In den Trocken- und Monsunwäldern, in denen viele Bäume während der Dürrezeit ihre Blätter verlieren, ist die Artenvielfalt wiederum geringer. Diese Wälder gehen oft in offene Graslandschaften und Feuchtgebiete über. Aber auch hier leben bemerkenswerte Arten, wie der Thailand-Leierhirsch oder die Siamesische Speikobra. Letztere kann ihr Gift gezielt in die Augen ihres Gegenübers sprühen, wenn sie sich bedroht fühlt.
Je näher man dem Himalaya kommt, desto kühler wird das Klima. Hier werden die Wälder zunehmend subtropisch und bedecken weite Teile der Hochländer im Norden Myanmars, Vietnams und Laos sowie im Süden Chinas. Diese Wälder bieten Lebensraum für Arten wie den seltenen Burmesischen Nasenaffen und den Nebelparder. In den Ausläufern des Himalaya, der selbst ein eigener Biodiversitätshotspot ist, trifft man auch seine typischen Gebirgsbewohner wie den Roten Panda, der Rote Goral oder der Mishmi-Takin.
Zusätzlich zu diesen artenreichen Lebensräumen hat Indo-Burma jedoch noch mehr zu bieten. Zum Beispiel Regionen, die durch ihre besondere Lage oder Isolation einzigartige Arten hervorgebracht haben. Und auf die werfen wir im Folgenden einen genaueren Blick.
Vietnam | Truong-Son-Gebirge | Bạch Mã Nationalpark
Die Andamanen
Diese Inselgruppe gehört zu Indien und ist ein kleiner Biodiversitätshotspot innerhalb Indo-Burmas. Aufgrund der Isolation der Inseln gibt es in den Wäldern einige einzigartige Arten, z.B. die Andmanenkobra, den Andamanenschlangenadler oder den Adamanendrongo.
UNERFORSCHT
Viele Gebiete Indo-Burmas sind noch immer relativ unerschlossen. Deshalb werden hier jedes Jahr neue Arten entdeckt. 2024 waren es zuletzt 234 Arten! Besonders viele Pflanzen-, Pilz- und Insektenarten sind noch nicht vollständig erforscht. Je mehr Arten beschrieben werden, desto besser kann die Wissenschaft die Zusammenhänge in Ökosystemen verstehen.
ISOLIERTE GEBIETE
Neben einer hohen Artenvielfalt zeichnen sich Biodiversitätshotspots dadurch aus, dass hier Arten vorkommen, die nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind. Diese sogenannten endemischen Arten finden sich meist in isolierten Gebieten, an deren Bedingungen sie sich über lange Zeit angepasst haben.
In Indo-Burma liegen solche Rückzugsgebiete vor allem in Gebirgen (wie den oben genannten Gebirgszügen), in Karstlandschaften, auf Inseln wie Hainan und die Andamanen-Inseln sowie in isolierten Waldgebieten wie den Trockenwäldern im Zentrum Myanmars.
Das Aushängeschild des Biodiversitätshotspots ist eine solche einzigartige Art — das Saola. Es wurde erst 1992 in den abgelegenen Wäldern des Truong-Son-Gebirges entdeckt und seitdem nur wenige Male gesehen. Obwohl es aussieht wie eine Antilope, ist es näher mit den Rindern verwandt. Aufgrund seiner Seltenheit gilt die Art als vom Aussterben bedroht.
In denselben Regenwäldern leben auch weitere außergewöhnliche Arten wie das Annamitische Streifenkaninchen, die Laotische Felsenratte (der einzige Vertreter einer ganzen Familie von Nagetieren) und das Annam-Muntjak. Am südlichen Ende des Truong-Son-Gebirges, findet sich noch ein weiterer ungewöhnlicher Bewohner: Vampyrius vampyrus, eine endemische Flugfroschart. Ihren Namen verdankt sie seinen Kaulquappen: sie besitzen kleine Fangzähne, mit denen sie vermutlich die unbefruchteten Eier ihrer Mutter fressen.
Am entgegengesetzten Ende des Hotspots, in den Karsthöhlen der Hochländer zwischen Myanmar und Thailand, findet sich das kleinste Säugetier der Welt. Mit gerade einmal drei Zentimetern Körperlänge und zwei Gramm Gewicht ist die Schweinsnasenfledermaus kaum größer als eine Hummel — daher kommt ihr englischer Name bumblebee bat.
Wie in den Gebirgen, nur in kleineren Maßstab, finden sich auch in den zahlreichen Karstlandschaften Indo-Burmas viele endemische Arten. Denn diese Formationen aus Kalkstein sind wie Inseln — nur an Land. Unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten haben sich dabei an einzelne Felsen angepasst und leben seitdem isoliert voneinander. Deshalb kommen zum Beispiel Arten wie die Delacour-Schwarzlanguren nur auf wenigen Karstfelsen in Nordvietnam vor.
Die größte und bedeutendste Karstlandschaft Indo-Burmas ist dabei der Korridor zwischen Vietnam und China. In diesen schwer zugänglichen Landschaften leben einige seltene Arten die Tonkin-Stumpfnase, der Östliche Schwarze Schopfgibbon oder die Trung Khanh-Grubbenotter.
Auch die Trockenwälder in Myanmars Zentralregion bilden ein solches Rückzugsgebiet und sind ein Kontrast zu den Regenwäldern des Hotspots. In dieser von Dürre geprägten Landschaft leben spezialisierte Arten wie die Kapuzenbaumelster und die stark bedrohte Birma-Sternschildkröte, die sich an das trockene Klima angepasst haben.
Neben den einzigartigen Arten, die sich an ihre Isolation angepasst haben, gibt es noch einen weiteren Faktor, der Indo-Burma besonders macht. Und der verbirgt sich unter der Wasseroberfläche.
Vietnam | Cát Tiên Nationalpark | Siam-Krokodil
Indo-Burma zählt neben dem Amazonas und dem Kongo zu den bedeutendsten Regionen der Welt, wenn es um Süßwasser-Biodiversität geht. Der gesamte Hotspot wird von einem weit verzweigten Netzwerk aus Flüssen durchzogen. Zu den wichtigsten zählen der Irrawaddy, der Chindwin, der Chao Phraya, der Saluen, der Rote Fluss, der Perlfluss und natürlich der Mekong.
Zudem gehören auch bedeutende Seen wie der Tonle Sap in Kambodscha und der Inle-See in Myanmar zu diesem System.
Wie viele andere Flüsse hat der Mekong seinen Ursprung in den Hochländern im Norden, außerhalb der Grenzen des Hotspots. Auf seiner rund 4900 km langen Reise vom Tibetischen Hochland durch sechs Länder prägt er maßgeblich die Landschaften Indo-Burmas und schafft Lebensraum für unzählige Arten.
Im Mekong leben schätzungsweise 1200 Arten, darunter einige der größten Süßwasserfische der Welt: der Mekong-Riesenwels, der bis zu drei Meter lang werden kann, der Riesen-Süßwasserstechrochen mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern sowie der Hochflossen-Haiwels, der auf Englisch auch giant dog-eating catfish genannt wird. Zudem sind der Mekong und seine Nebenflüsse wichtige Lebensräume für Schildkröten und Wasservögel wie die Mekongstelze und den Weißschulteribis.
Der Mekong beeinflusst auch den Tonle Sap und seine Umgebung. In der Monsunzeit, wenn sein Wasserstand steigt, kehrt sich der Lauf seines Nebenflusses, dem Tonle-Sap-Fluss, um und das Wasser strömt in den See. Dadurch steigt der Pegel des Tonle Sap und das überflutet wiederum die anliegenden Grasländer und Wälder.
Die so entstandenen Feuchtgebiete und Sumpfwälder bieten Lebensraum für viele Arten wie den Haarnasenotter und die Barttrappe und sind das wichtigste Brutgebiet Asiens für große Wasservögel wie den Argalamarabu. Wandernde Fischarten nutzen die Flutebenen und den See zudem als Laichplatz.
Die Reise des Mekong endet schließlich im Mekong-Delta in Vietnam. Die dortigen Mangrovenwälder und Ästuare sind eine Schnittstelle zwischen Süßwasser- und Salzwasserökosystemen und bieten Lebensraum für Arten wie den Irawadidelfin.
Ähnlich wie der Mekong formen auch die anderen Flüsse die Landschaften, durch die sie fließen, und münden in Deltas, in denen sich Mangrovenwälder finden. In den Sumpfwäldern und Feuchtgebieten anderer Regionen des Hotspots leben ebenfalls bedrohte Arten wie der Riesenibis oder das Siam-Krokodil.
Gemeinsam bilden diese Flüsse, Seen und Feuchtgebiete ein komplexes Süßwassersystem, das für Indo-Burma ebenso wichtig ist wie seine Wälder und Berge.
SÜSSWASSERÖKOSYSTEME
Der IrrawaddY
Durch Myanmar fließt ein relativ unbekannter, aber interessanter Fluss: Der Irrawaddy. Auf seiner rund 2170 km langen Reise durch das Land durchquert er Monsun-, Trocken-, Sumpf- und Mangrovenwälder, bis er in einem weit verzweigten Delta mündet. Hier leben Arten wie der Irrawaddy-Flusshai, das Salzwasserkrokodil und der Irawadidelfin.
Grüner Nackenstachler (E)
Artenvielfalt
47 Arten Entdeckt
In Indo-Burma leben jede Menge Arten, die nur hier zu finden sind. Auf meinen Expeditionen halte ich einige dieser Arten fotografisch fest. Erkunde die Artenvielfalt von Indo-Burma in dieser Galerie.
Vietnam | Phong Nha-Kẻ Bàng Nationalpark
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BEDROHUNGEN
Faktoren, die Indo-Burmas Biodiversität bedrohen
Illegaler Wildtierhandel, Wilderei und eine rasante Entwicklung.
Der bevölkerungsreichste Biodiversitätshotspot der Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten rasend schnell entwickelt. Landwirtschaft und der Ausbau von Infrastruktur bedrohen deshalb die Biodiversität Indo-Burmas. Doch die Region hat noch ein weiteres, ernstes Problem: die Wilderei für den internationalen Wildtierhandel.
Durch das explosive Bevölkerungswachstum in den letzten 75 Jahren hat der Druck auf die Natur in Indo-Burma stark zugenommen. Das hat nicht nur die Zerstörung von Lebensräumen für kommerzielle Landwirtschaft und Infrastruktur vorangetrieben, sondern auch die Nachfrage nach Wildtierprodukten erhöht.
Wilderei für den Handel und Konsum von Wildtieren, der teilweise in Tradition verankert ist, ist heute der zweitwichtigste Grund für den Verlust der Artenvielfalt. Und leider endet die Liste der Bedrohungen für die Tier- und Pflanzenwelt damit noch nicht.
In der folgenden Kurzübersicht erfährst du, welche Faktoren die Biodiversität Indo-Burmas heute am stärksten bedrohen.
Faktoren im Überblick
WILDEREI
Illegaler Wilditierhandel, Konsum (Traditionelle Medizin, Subsistenz), Fallenstellerei, Überfischung
BEDROHUNGEN
LEBENSRAUMZERSTÖRUNG
Illegale Holzfällung, Landwirtschaft, Bergbau, Aquakulturen, Infrastrukturentwicklung, Waldfragmentierung, Landentwässerung, etc.
MENSCHLICHE AKTIVITÄTEN
Umweltverschmutzung, Klimawandel, Pestizidnutzung, mangelnder Gesetzesvollzug, Einschleppen invasiver Arten, etc.
WILDEREI
Illegaler Wilditierhandel, Konsum (Traditionelle Medizin, Subsistenz), Fallenstellerei, Überfischung
LEBENSRAUM-ZERSTÖRUNG
Illegale Holzfällung, Landwirtschaft, Bergbau, Aquakulturen, Infrastrukturentwicklung, Waldfragmentierung, Landentwässerung, etc.
MENSCHLICHE AKTIVITÄTEN
Klimawandel, Pestizidnutzung, mangelnder Gesetzesvollzug, Umweltverschmutzung, Einschleppen invasiver Arten, etc.
Ausgerottet
Auch in Indo-Burma sind schon einige Arten vollständig ausgerottet worden. Die Kombination aus Lebensraumverlust und Wilderei hat z.B. den Schomburgk-Hirsch bereits vollständig ausgelöscht. Auch der Kouprey, eine Wildrindart, wurde seit 1969 nicht mehr gesichtet und ist vermutlich aus den gleichen Gründen verschwunden.
In Indo-Burma stehen viele Arten heute aufgrund der exzessiven Wilderei am Rand des Aussterbens. Manche Tiere, wie das Java-Nashorn, wurden bereits lokal ausgerottet. Grund dafür ist der gestiegene Konsum von Wildtierprodukten.
Viele Arten werden für den Verzehr, für traditionelle Medizin, für Kleidung oder zur Ausstellung (tot oder lebendig) gejagt. Das geschieht meist für den Eigenbedarf, aus Aberglauben oder aus Prestigegründen. Die Jagd und der Handel mit diesen Wildtieren sind illegal. Dennoch finden sie unkontrolliert und häufig gut organisiert statt.
Ob Vögel, Reptilien, Säugetiere, Fische, Amphibien oder Insekten — die Wilderei macht vor keiner Tiergruppe halt. So werden zum Beispiel die Chinesische Krokodilschwanzechse sowie zahlreiche Primaten-, Fisch- und Singvögelarten für den Handel als Haustiere gefangen. Schildkröten und Schuppentiere (das meistgehandelte Säugetier der Welt) werden für den Verzehr oder die traditionelle Medizin gejagt und sind deshalb vom Aussterben bedroht.
Hauptabnehmer dieser Produkte sind dabei keineswegs nur Märkte in Asien. Auch der Tourismus trägt erheblich zum Anstieg der Wilderei bei: So werden Arten wie der Fleckenmusang für den sogenannten „Katzenkaffee“ gefangen oder Kobras in Alkohol eingelegt, um als „Schlangenwein“ an ignorante Touristen verkauft zu werden.
Ein weiteres großes Problem ist das großflächige Auslegen sogenannter Schlingfallen. Millionen dieser Fallen liegen in den Landschaften Indo-Burmas, selbst in Naturschutzgebieten. Das Problem an ihnen ist, dass sie ausnahmslos jedes Tier töten, das in diese Falle hineintritt — auch Arten, die nicht Ziel der Jäger sind. Neben einem qualvollen Tod führt diese Praxis dazu, dass viele Arten in weiten Teilen des Hotspots verschwunden sind.
Da alles in der Natur miteinander verbunden ist, hat die Wilderei auch Auswirkungen auf Arten, die von den gejagten Tieren abhängig sind.
Die Wilderei wird durch den mangelnden Gesetzesvollzug begünstigt. Oft fehlen den Behörden die finanziellen Mittel, das Personal und eine wirksame Koordination. Außerdem ist Korruption in vielen Teilen der Region ein Problem, da viele Wildtierprodukte auf dem internationalen Markt hohe Preise erzielen. Die Kombination aus schwacher Kontrolle, wirtschaftlichen Anreizen und organisiertem Handel macht es schwer die Wilderei in Indo-Burma effektiv einzudämmen.
WILDEREI
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Lebensraumzerstörung
Wie in vielen anderen Regionen der Welt weicht auch in Indo-Burma die Natur zunehmend dem Menschen.
In weiten Teilen des Hotspots werden Wälder abgeholzt, um sie in Agrarflächen für Cash Crops wie Palmöl, Tee, Kaffee, Kautschuk oder Teakholz umzuwandeln. Doch die kommerzielle Landwirtschaft ist nicht allein verantwortlich. Durch das starke Bevölkerungswachstum dringen auch Kleinbauern immer weiter in bislang unberührte Gebiete hervor.
Ein weiteres Problem ist der Raubbau einheimischer Hölzer. Da bestimmte Holzarten auf dem Schwarzmarkt hohe Preise erzielen, werden Bäume wie der Thailändische Palisander unkontrolliert und illegal gefällt. Das hat weichreichende Folgen für den Wald. Der Raubbau betrifft jedoch nicht nur Bäume. Auch andere Pflanzen wie Orchideen werden gezielt gesammelt, wodurch nun zahlreiche Pflanzen mit dem Aussterben bedroht sind.
An den Küsten werden Mangrovenwälder, Lagunen und Feuchtgebiete für Aquakulturen von Garnelen und Fischen zerstört. Weiter flussaufwärts beeinträchtigen insbesondere Infrastrukturprojekte wie Dämme die Biodiversität der Süßwassersysteme. Ihre Errichtung führt häufig zur Überflutung angrenzender Lebensräume und verändert die Gegebenheiten der Flüsse stark. Viele Fischarten können so zum Beispiel ihre Laichgründe nicht mehr erreichen.
Auch der Bergbau stellt eine Bedrohung dar. In manchen Fällen werden Bergbaulizenzen innerhalb von Naturschutzgebieten vergeben. Neue Straßen und Infrastruktur im Umfeld dieser Minen belasten die Natur zusätzlich. Besonders problematisch ist der Abbau von Kalkstein, da er ganze Karstfelsen zerstören kann. Viele Arten sind nur an wenige Felsen angepasst, sodass vermehrt seltene, endemische Arten gefährdet sind.
Die Folge all dieser Eingriffe: In Indo-Burma sind heute nur noch etwa fünf Prozent der ursprünglichen Lebensräume erhalten.
Doch es gibt Hoffnung. Schon heute gibt es in Indo-Burma verstärkte Anstrengungen im Naturschutz. In Ländern wie Thailand, Vietnam und China, in denen der Wohlstand wächst, nimmt auch das Umweltbewusstsein, besonders der jüngeren Generationen, zu. Wie sich die Artenvielfalt in diesem Biodiversitätshotspot entwickelt, bleibt also abzuwarten.
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