Aotearoa | Whakarewarewa Forest Park

Aotearoa

BIODIVERSITÄTSHOTSPOT

Erkunde den Überrest Gondwanas, in dem Isolation
eine einzigartige Artenvielfalt hervorgebracht hat. 

Erkunde den Überrest Gondwanas, in dem
Isolation eine einzigartige Artenvielfalt hervorgebracht hat.

2 REPORTAGEN

Kontinent

Ozeanien

ÖKOSYSTEME

Gemäßigte Regenwälder, Graslandschaften, Feuchtgebiete, Alpine Landschaften

MARINE ÖKOSYSTEME

Kelpwälder, Muschelriffe, Mangroven, Ästuare, Fjorde, Felsenriffe, Tiefseegebiete

IKONISCHE ARTEN

Kiwi, Kea, Tuatara, Takahē, Kākāpō, Wētā, Gelbaugenpinguin

Biologische Vielfalt im Südpazifik

Nur in Aotearoa findest du flugunfähige Vögel, gigantische Insekten, laufende Fledermäuse und urzeitliche Arten auf einem Raum. Vor 80 Millionen Jahren spaltete sich die Landmasse vom Superkontinenten Gondwana ab. Seitdem konnten sich Tier- und Pflanzenarten ungestört und isoliert entwickeln – teilweise in merkwürdige Richtungen. 

Aotearoa ist ein Inselarchipel, das aus zwei Hauptinseln (der Nord- und Südinsel) sowie mehreren Nebeninseln besteht. Auch die Kermadec-, Chatham- und subantarktischen Inseln sowie die australischen Inseln Lord Howe und Norfolk zählen zu diesem Biodiversitätshotspot.

Vor etwa 800 Jahren erreichten die Māori als erste Menschen diese abgelegene Landmasse. Seitdem entwickelten sie eine tiefverwurzelte Beziehung zur Natur und zu den einzigartigen Bedingungen vor Ort.

Aotearoa | Clevedon Scenic Reserve

Die Inseln erstrecken sich über subtropische bis subantarktische Breitengrade. Das bedeutet: Auf kleinem Raum liegen hier gemäßigte Regenwälder, Graslandschaften, Feuchtgebiete und alpine Regionen dicht beieinander.

Aotearoa ist einer der wenigen Orte, in welchen du einen Gletscher unmittelbar an einen Regenwald angrenzend sehen kannst. Ein seltener Umstand, weshalb die Landschaften weltberühmt und viele Tier- und Pflanzenarten spezialisiert und nur hier zu finden sind.

Doch nicht nur an Land zeigt sich die außergewöhnliche Vielfalt. Auch unter der Wasseroberfläche, in Kelpwäldern und Tiefseegebieten, leben einzigartige Arten wie der Riesenkalmar oder der Māui-Delfin.

Scrolle weiter, um mehr über den Biodiversitätshotspot Aotearoa zu erfahren.

Aotearoa | Waireinga Scenic Reserve

Aotearoa | Waireinga Scenic Reserve

BIODIVERSITÄT

Entdecke, was den Biodiversitätshotspot Aotearoa so einzigartig macht. 

Kiwi-Vögel, urzeitliche Reptilien und alpine Papageien.

Der Biodiversitätshotspot Aotearoa ist definitiv eins: Ungewöhnlich. Die Tier- und Pflanzenwelt hat sich an Millionen von Jahren der Isolation, verschiedenste Ökosysteme auf engen Raum und dem Fehlen von Landsäugetieren angepasst. 

Manche Tiere laufen, obwohl sie fliegen könnten. Andere existieren nirgendwo sonst auf der Welt oder gehören als einzige ihrer Art zu einem ganzen evolutionären Zweig. Im nächsten Abschnitt erzähle ich dir, was Aotearoa zum Biodiversitätshotspot macht und welche außergewöhnlichen Arten du hier findest. 

FAKTEN

Über Aotearoa

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Endemische Arten

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Terrestrische Ökosysteme

Māori 

Die Māori sind die indigene Bevölkerung Aotearoas. Sie erreichten das Land im 13 Jh. von Polynesien aus. Ihre Kultur ist besonders geprägt von ihrer tiefen, spirituellen Verbindung zur Natur (Te Taiao).

Endemismus

Tier- oder Pflanzenarten, die nur hier vorkommen und nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind.

PFLANZEN (80%)

Kauri-Baum, Silberfarn, Kahikatea-Baum, Tōtara-Baum, Mamaku, etc.

VÖGEL (88%)

Kiwi, Kea, Kākāpō, Tūī, Takahē, Neuseeländischer Kuckuckskauz, Kōkako, Wekaralle, etc.

SÄUGETIERE (100%)

Neuseeland-Lappenfledermaus, Kleine Neuseelandfledermaus

REPTILIEN (100%)

Tuatara, Auckland-Grüngecko, Tautuku-Gecko, Chevron-Skink, etc.

AMPHIBIEN (100%)

Archey-Frosch, Hamilton-Frosch, Hochstetter-Frosch

SÜSSWASSERFISCHE (86%)

Neuseeländischer Langflossenaal, Riesen-Kōkopu, Rotflossen-Schläfergrundel, etc.

WIRBELLOSE (90%)

Wētā, Titiwai, Pūriri-Motte, Kihikihi-Zikade, etc.

ISOLATION

Aotearoa sieht so anders aus als der Rest der Welt, weil es sich lange, lange Zeit in Isolation befunden hat. Tier- und Pflanzenarten konnten sich hier in Richtungen entwickeln, die anderswo nicht möglich gewesen wären.

Das liegt daran, dass sich Aotearoa vor ca. 80 Mio. Jahren von dem Superkontinenten Gondwana abspaltete (zuvor war es mit dem heutigen Australien, Patagonien und der Antarktis verbunden). Plattenbewegungen schoben Aotearoa immer weiter in den Pazifik hinaus – bis zu der isolierten Lage, in der es sich heute befindet.

Manche Vorfahren der heutigen Tier- und Pflanzenwelt gingen mit auf die Reise. So zum Beispiel die Vorfahren des Kauri-Baums, des Wētā, der ausgestorbenen Moa oder der Papageienarten Kea und Kākāpō. Auch der letzte Überlebende einer ganzen Ordnung ging mit ins Exil: der Tuatara.

Tuataras sehen zwar aus wie Eidechsen, sind aber genetisch deutlich unterschiedlich (sie besitzen sogar ein drittes Auge im Schädel). Innerhalb der Klasse der Reptilien gibt es also die Ordnungen der Krokodile, Schildkröten, Eidechsen & Schlangen … und Tuataras!

Andere Arten fanden ihren Weg später nach Aotearoa, etwa durch Fliegen oder Anschwemmungen, und setzten ihre Evolution hier isoliert fort. So zum Beispiel die Vorfahren vieler Pflanzenarten, der Takahē oder Süßwasseraale. Die meisten dieser Neuankömmlinge stammen tatsächlich aus Neukaledonien und Australien.

Den Rest erledigten Zeit und sich ständig verändernde Umweltbedingungen. Isolation und Evolution gehören zu den Hauptfaktoren, die Aotearoas Tier- und Pflanzenwelt so einzigartig machen. 

Aoteroa | Karori Wildlife Sanctuary | Tuatara

Taonga-Spezies

Taonga bedeutet „Schatz“ in Māori. Taonga-Spezies sind also Tiere und Pflanzen, die für Māori kulturell bedeutsam sind. Oft sind diese Arten auch ökologische Schlüsselarten, wie z.B. die Kererū-Taube.

Kaitiakitanga

Kaitiakitanga ist die spirituelle Verantwortung der Māori, die Umwelt zu schützen. In Aotearoa zeigt sich das durch die Anwendung ihres überlieferten Wissens im Umweltschutz. 

Aotearoas Landschaften sind weltberühmt und ebenso kontrastreich. Das liegt an den subtropischen bis subantarktischen Klimazonen sowie an Jahrmillionen tektonischer Aktivität, durch die unter anderem die neuseeländischen Alpen auf der Südinsel entstanden sind.

Der Biodiversitätshotspot umfasst vor allem gemäßigte Regenwälder und Feuchtgebiete auf der Nordinsel und an der Westküste der Südinsel sowie alpine Zonen und Graslandschaften im Inneren der Südinsel. Die Tier- und Pflanzenwelt hat sich in besonderer Weise an diese unterschiedlichen Bedingungen angepasst.

So findet man nur auf der Südinsel den Kea, den weltweit einzigen alpinen Papagei. Ebenfalls nur hier leben die einzige alpine Zikadenart Maoricicada nigra und der alpine Gecko Mokopirirakau kahutarae (Black-eyed Gecko).

Entlang der Westküste Aotearoas, unmittelbar vor den Südalpen, liegt ein gemäßigter Regenwald mit einer der höchsten Niederschlagsraten der Welt. Daran schließt sich die Fjordlandschaft Fiordlands an, welche atemberaubend und ebenso reich an Biodiversität ist. Hier findest du den Dickschnabelpinguin  die einzige Pinguinart, die im Regenwald brütet.

Weiter nördlich, in den Wäldern der Nordinsel, wachsen die riesigen Kauri-Bäume, die bis zu 2.000 Jahre alt werden können. Diese Wälder sind auch Lebensraum für die endemische Kauri-Schnecke sowie für den Nordstreifenkiwi.

Auch die zahlreichen Nebeninseln und entlegenen Inselgruppen, die zum Biodiversitätshotspot gehören, beherbergen einzigartige Lebensräume mit vielen endemischen Arten. Beispiele sind der Chatham Island Tūī, der Baumhummer auf den Lord-Howe-Inseln oder der Einfarblaufsittich auf den Antipodes Islands.

Aotearoas Umwelt bietet Bedingungen, die über Millionen Jahre von Pflanzen und Tieren genutzt wurden. Das Ergebnis ist die einzigartige Vielfalt an spezialisierten Arten, die sich an die ebenso einzigartigen Lebensräume angepasst haben.

EINZIGARTIGE LEBENSRÄUME

Aotearoa ist ein Biodiversitätshotspot, weil hier viele Tier- und Pflanzenarten vorkommen, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt – sie sind endemisch. Rund 80.000 Arten findest du nur hier. Und ein Faktor, der gerade die Tierwelt so besonders macht: Es gibt keine Landsäugetiere. 


Nun gut, es gibt zwei einheimische Fledermausarten – die Neuseeland-Lappenfledermaus und die Kleine Neuseelandfledermaus (letztere läuft zur Nahrungssuche über den Waldboden!). Doch ansonsten gehört Aotearoa den Vögeln … und den Insekten.

Beide Tiergruppen haben sich an das Fehlen von Landraubtieren angepasst – eine Rolle, die sonst meist von Säugetieren übernommen wird. Manche Vögel wurden größer und verlernten das Fliegen. Deshalb gibt es heute fünf Arten des ikonischen Kiwi. Oder kennst du den Kākāpō? Einen flugunfähigen, nachtaktiven Papageien mit sehr speziellen Nahrungs- und Paarungsvorlieben (weshalb sie leider auch vom Aussterben bedroht sind).

Andere Vögel blieben flugfähig, sind aber ebenso einzigartig: Tūī, Kōkako und der Waldpapagei Kākā sind Beispiele für charakteristische, nur in Aotearoa vorkommende Arten.

Auch die Insektenwelt passte sich an das Fehlen der Raubtiere an. Die Riesen-Wētā etwa zählt zu den größten Insekten der Welt. Über 100 Arten dieser Heuschrecken besiedeln Höhlen, alpine Zonen und entlegenste Inseln. Oder die Kauri-Schnecke – eine riesige, fleischfressende Landschnecke, die bis zu 20 Jahre alt werden kann. Ein hohes Lebensalter ist generell ein häufiges Merkmal vieler Arten in Aotearoa.

Während Vögel und Insekten hier besonders stark vertreten sind, ist die Vielfalt bei Amphibien (nur 3 Arten) und Reptilien (ca. 123 Skink- und Geckoarten sowie eine Tuatara-Art) vergleichsweise gering, doch nahezu alle sind endemisch.

Ähnlich sieht es im Süßwasser aus: Nur 51 Fischarten, inklusive drei Arten von Süßwasseraalen, findest du in den Gewässern Aotearoas.

Fazit: Der Großteil der heute lebenden Tier- und Pflanzenarten Aotearoas hat sich hier entwickelt – angepasst an Isolation, besondere Lebensräume und das Fehlen natürlicher Raubtiere. Sind sind das, was Aotearoa zu einem Biodiversitätshotspot macht. 

EINZIGARTIGE SPEZIES

Ökoregionen

Wenn du mehr über die geographische Verteilung von Ökosystemen und Biodiversität in Aotearoa erfahren willst, empfehle ich die NGO One Earth. Eine Übersicht zu Aotearoas Ökoregionen findest du auf deren Webseite hier.

Neuseeländischer Langflossenaal (E)

Artenvielfalt

25 Arten Entdeckt

In Aotearoa leben ca. 80.000 Arten, die nur hier zu finden sind. Auf meinen Expeditionen halte ich einige dieser Arten fotografisch fest. Erkunde die Artenvielfalt von Aotearoa in dieser Galerie.

Aotearoa | Waitakere Ranges Regional Park

Aotearoa | Waitakere Ranges Regional Park

BIODIVERSITÄT OZEAN

Entdecke, was Aotearoas Ozean so einzigartig macht.

Marine Biodiversität in allen Tiefen.

Auch unter der Wasseroberfläche ist Aotearoa ein Biodiversitätshotspot. Eine Vielzahl an Ökosystemen, unterschiedliche Tiefenzonen und wechselnde Umweltbedingungen machen den Ozean besonders artenreich. Viele der Meeresarten findest du nur hier. 

Die Wissenschaft schätzt, dass sich etwa 85 % des Lebens in Aotearoa unter der Wasseroberfläche befindet. Im nächsten Abschnitt erfährst du deshalb mehr über ungewöhnliche Arten, vielfältige Lebensräume und die Biodiversität des Ozeans rund um Aotearoa.

FAKTEN

Über Aotearoas Ozean

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ARTEN ENTDECKT

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Tiefster Punkt: Kermadecgraben

Seevögel

Schon gewusst? Aotearoa ist der weltweite Hotspot für Seevögel. 25% der globalen Brutpopulationen (ca. 86 Arten) leben hier. Ein Drittel der Arten findest du nur hier.

ARTENVIELFALT

Tierarten, die in Aotearoas Ozean leben.

MEERESSÄUGETIERE

Hector-Delfin (E), Māui-Delfin (E), Neuseeländischer Seelöwe (E), Kekeno, Orca, Pottwal, Südkaper, Zwergblauwal, etc.

MEERESVÖGEL

Nördlicher Königsalbatross (E), Gelbaugenpinguin (E), Dickschnabelpinguin (E), Magentasturmvogel (E), Maorimöwe (E), etc.

MEERESREPTILIEN

Lederschildkröte, Grüne Meeresschildkröte, Unechte Karettschildkröte, Plättchen-Seeschlange, etc.

SALZWASSERFISCHE

Rarī (E), Hoki, Gelbschwanzmakrele, Rāwaru (E), Weißer Hai, Koboldhai, Kanakana, Hāpuku, Pātiki, etc.

WIRBELLOSE

Maori-Oktopus, Kina (E), Grünschalmuschel (E), Tuatua (E), Pāua (E), Riesenkalmar, Schwarze Korallen, etc.

(E) = Endemisch / Art, die ausschließlich in diesem Biodiversitätshotspot vorkommt.

Die Ozeanfläche rundum Aotearoa ist gewaltig, etwa 15-mal so groß wie das Land selbst. Warme tropische Strömungen aus dem Norden treffen hier auf kalte Wasserströme aus der Antarktis. Diese Mischung schafft eine enorme Vielfalt an Lebensräumen innerhalb des Hotspots.

Allein in der Küstenzone gibt es über 50 verschiedene Lebensraumtypen: von Mangrovenwäldern, Fjorden, Ästuaren (wo Flüsse auf das Meer treffen), Kelpwäldern bis hin zu Felsen- und Muschelriffen. Weiter draußen im Ozean kommen dann auch Tiefseegräben und Unterwasserberge hinzu. 

Dementsprechend hoch ist die Biodiversität unter Wasser. Rund 17.000 Arten wurden bisher dokumentiert – etwa die Hälfte davon ist endemisch. Und mehr Arten werden entdeckt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ca. 50.000 Arten noch entdeckt werden müssen!

Einige dieser Arten eine zentrale Rolle in der kulturellen Verbindung der Māori zum Meer (Tangaroa). Fische wie Snapper (Tāmure) oder Flundern (Pātiki) oder Weichtiere wie die farbintenisve Pāua-Muschel sind nicht nur ökologisch bedeutsam, sondern auch Teil traditioneller Ernährung und Identität. 

Darüberhinaus findest du viele ikonische Arten in diesem Gewässern. So wurde hier der Weiße Hai erstmals bei der Paarung beobachtet. Und auch andere große Haiarten, wie der Makohai, den Bronzehai oder der Glatte Hammerhai treten hier auf. 

Ungefähr die Hälfte aller Walarten weltweit wurde in neuseeländischen Gewässern dokumentiert. Darunter der Hector-Delfin und seine noch seltenere Unterart, der Māui-Delfin, die nur hier vorkommen. Aber auch Orcas, Pottwale, Brydewale sowie wandernde Arten wie Zwergblauwale und Schnabelwale sind regelmäßig anzutreffen.

Nicht zuletzt ist Aotearoa ein globaler Hotspot für Seevögel. Etwa 145 Arten, sowohl einheimische als auch durchziehende, wurden hier dokumentiert. Darunter finden sich 22 Albatrossarten und 6 Pinguinarten. Viele dieser Vögel kommen ausschließlich in dieser Region vor.

Die enorme Artenvielfalt, im und am Wasser, macht Aotearoa auch im Ozean zu einem echten Biodiversitätshotspot. 

RIESIGE OZEANFLÄCHE

Aotearoa | Muriwai Beach | Australtölpelkolonie

IRRLÄUFER

Immer wieder tauchen in Aotearoas Gewässern tropische Irrläufer auf. Mit etwas Glück kannst du hier Meeresschildkröten, Meeresschlangen oder sogar Riesenmantas beobachten.

Schwarze Korallen

Im Ökosystem Fiordlands kannst du eine seltene Art in ca. 15m Tiefe finden. Schwarze Korallen (die eigentlich weiß sind) sind eine Tiefseekorallenart. Süßwasser von den Fjorden verdunkelt jedoch die Wasseroberfläche, sodass die Korallen in geringerer Tiefe zu finden sind. 

Aotearoas Gewässer sind tief, sehr tief. Am tiefsten Punkt, dem Kermadecgraben, reicht der Ozeanboden bis in 10.047 Meter Tiefe hinab. Die Ursache liegt in der Plattentektonik und im Unterwasserkontinent Zealandia, auf dem Aotearoa liegt. Rund um den Biodiversitätshotspot entstehen dadurch Tiefseegräben, Unterwasserberge und vulkanisch aktive Zonen.

Und auch wenn es dort unten stockfinster ist, ist es dennoch voller Leben. Ein Großteil der dort lebenden Arten ist noch gar nicht wissenschaftlich erfasst. Gerade hier, vor den Küsten Aotearoas, arbeitet die Forschung intensiv daran herauszufinden, was da unten vor sich geht.

Jedes Jahr werden neue Arten entdeckt. Eine ist skurriler als die andere: So wie der weltbekannte Blobfisch, der hier entdeckt wurde. Koboldhaie, Walköpfe (Barbourisia rufa), Dumbo-Oktopusse – die Variationen der Anpassung an das Leben in der Tiefsee sind grenzenlos. 

Manche Arten werden ungewöhnlich groß (ein Phänomen, das als Tiefseegigantismus bekannt ist). In Aotearoas Tiefsee finden sich etwa Riesenkrabben, der Südliche Schlafhai oder der legendäre Riesenkalmar.

Auch größere Meeressäugetiere nutzen diese Tiefe: Pottwale bei Kaikōura oder Südliche See-Elefanten nahe der subantarktischen Inseln tauchen hier auf der Suche nach Beute bis in Tiefen von 1.500 bis 2.000 Metern.

Die Tiefsee rund um Aotearoa bleibt zum Großteil unerforscht. Doch mit neuen Expeditionen wirst du wahrscheinlich von weiteren merkwürdigen Arten hören.

TIEFSEEGEBIETE

Maorimöwe (E)

Artenvielfalt

11 Arten Entdeckt

In Aotearoas Ozean leben ca. 8.000 Arten, die nur hier zu finden sind. Auf meinen Expeditionen halte ich einige dieser Arten fotografisch fest. Erkunde die Artenvielfalt in dieser Galerie.

Aotearoa | Muriwai Beach | Taraseeschwalben

Aotearoa | Muriwai Beach | Taraseeschwalben

BEDROHUNGEN

Faktoren, die Aotearoas Biodiversität bedrohen

Kolonialisierung, invasive Arten, Defizite im Meeresschutz

Auch wenn Aotearoa ein grünes Image hat, zeigt sich in vielen Bereichen deutlicher Nachholbedarf im Umweltschutz. Besonders der Ozean wurde über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt. Der Biodiversitätshotspot ist bedroht.

Nach rund 800 Jahren menschlicher Besiedlung hat die einzigartige Natur Aotearoas stark gelitten. Während die Māori ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt pflegten, setzte mit der europäischen Kolonialisierung die tiefgreifende Zerstörung ein. Es wurden nicht nur invasive Arten eingeschleppt, sondern auch ein westlich geprägtes Weltbild, das Kommerzialisierung und den Verlust indigener Perspektiven zur Folge hatte.

In der folgenden Kurzübersicht erfährst du, welche Faktoren die Biodiversität Aotearoas heute am stärksten bedrohen.

Faktoren im Überblick

INVASIVE ARTEN

Säugetiere (Ratten, Oppossums, etc.) , Wespen, diverse Pflanzenarten, Krankheiten, etc.

BEDROHUNGEN

LEBENSRAUMZERSTÖRUNG

Waldfragmentierung, Landentwässerung, Beweidung, Bebauung

MENSCHLICHE AKTIVITÄTEN

Klimawandel, Umweltverschmutzung, Plastik, Landwirtschaft, Pestizidnutzung, Überfischung, Grundschleppnetzfischerei, etc.

INVASIVE ARTEN

Säugetiere (Ratten, Oppossums, etc.) , Wespen, Koboldkärpflinge, diverse Pflanzenarten, Krankheiten, etc.

LEBENSRAUM-ZERSTÖRUNG

Waldfragmentierung, Landentwässerung, Beweidung, Bebauung

MENSCHLICHE AKTIVITÄTEN

Klimawandel, Umweltverschmutzung, Plastik, Landwirtschaft, Pestizidnutzung, Überfischung, Grundschleppnetzfischerei, etc.

Ausrottung

51 Vogelarten wurden seit dem Eintreffen der Menschen ausgerottet. Darunter ikonische Arten wie der Moa (eine riesige Vogelart) durch die Māori oder der Huia durch europäische Kolonialisten.

Die Isolation Aotearoas wurde erstmals mit der Ankunft der Vorfahren der Māori durchbrochen. Der Biodiversitätshotspot hatte bis dahin keine Landsäugetiere gekannt, bis mit der Kiore (Pazifische Ratte) erstmals ein Säugetier eingeschleppt wurde. Die heimische Tier- und Pflanzenwelt war auf solche Fressfeinde nicht vorbereitet.

Die eigentliche ökologische Verheerung begann jedoch mit den europäischen Kolonialisten, die sowohl absichtlich als auch unabsichtlich zahlreiche invasive Arten einführten.

Ein bekanntes Beispiel ist das Australische Possum, das zur Pelztierzucht nach Aotearoa gebracht wurde. Ausgebrochene Tiere konnten sich ungehindert vermehren (sie haben hier keine natürlichen Feinde) und fressen seither einheimische Arten – von Vögeln bis zu Pflanzen.

Auch Krankheiten kamen mit diesen Neuankömmlingen. So bedroht heute Toxoplasmose, eine von Katzen übertragene Infektionskrankheit, die Bestände des einheimischen Hector-Delfins.

Insgesamt wurden rund 19.000 invasive Pflanzenarten und mehr als 2.000 invasive Tierarten nach Aotearoa eingeschleppt. Doch ehrgeizige Programme wie „Predator Free 2050“ setzen alles daran, die einheimische Flora und Fauna langfristig vor invasiven Arten zu schützen.

INVASIVE ARTEN

Lebensraumzerstörung

Wie überall auf der Welt bedroht auch in Aotearoa die unkontrollierte Ausbreitung des Menschen die heimische Flora und Fauna. Rund 80 % der ursprünglichen Wälder wurden seit der Besiedlung zerstört.

So sind heute, vor allem durch industrielle Holzfällung, nur noch etwa 2 % der Kauri- und Kahikatea-Wälder erhalten. Beide Waldtypen sind einzigartig und kommen ausschließlich in Aotearoa vor. 

Ähnlich verheerend ist der Verlust von Feuchtgebieten und Graslandschaften.

Insbesondere die extensive Weidewirtschaft mit Schafen und Rindern hat große Schäden angerichtet. Schafe gelten oft als nationales Symbol, doch die für sie erschlossenen Flächen führten zu Waldfragmentierung, Überweidung und dem Verlust naturnaher Ökosysteme.

Das ursprüngliche Aotearoa war einst zu großen Teilen von Urwäldern bedeckt. Heute ist davon nur ein Bruchteil geblieben.

Aotearoa | Tāmaki Makaurau | Abgeholzte Mangroven

DEFIZITE IM MEERESSCHUTZ

Nur 0,4 % der Ozeanfläche Aotearoas stehen als sogenannte No-Take-Zonen unter Schutz (Gebiete, in denen nicht gefischt werden darf). Für ein entwickeltes Land ist das mehr als unzureichend.

Zwar unterzeichnete die neuseeländische Regierung 2022 im Rahmen der Vertragsstaatenkonferenz die „30×30“-Initiative, die vorsieht, bis 2030 30 % der Ozeane unter Schutz zu stellen. Doch bislang bleiben konkrete Fortschritte aus.

Besonders problematisch ist die weiterhin erlaubte Grundschleppnetzfischerei – eine der zerstörerischsten Fischereimethoden weltweit. Sie zerstört nicht nur Meeresbodenstrukturen, sondern auch empfindliche Lebensgemeinschaften. In Aotearoa wurden dabei bereits Tonnen von Kaltwasserkorallen unwiederbringlich zerstört.

Doch Grundschleppnetzfischerei ist nur eines von vielen Problemen: unzureichende Fangregulierungen, Industrieabwässer, Umweltverschmutzung – all das gefährdet den marinen Biodiversitätshotspot, ohne dass wirksame Gegenmaßnahmen erkennbar wären.

Dabei liegt ein möglicher Weg längst bereit: Im indigenen Wissen der Māori und dem kulturellen Prinzip Kaitiakitanga steckt ein nachhaltiger Ansatz zum Schutz des Biodiversitätshotspots Aotearoa. Die Frage ist nur, ob die Politik bereit ist, ihn endlich ernsthaft umzusetzen.

Aotearoa | Tāmaki Makaurau | Pūkeko

Aotearoa | Tāmaki Makaurau | Pūkeko

REPORTAGEN

Stories aus dem Biodiversitätshotspot Aotearoa.

Aotearoa | Sanctuary Mountain Maungatautari

Aotearoa | Sanctuary Mountain Maungatautari